Kartenzählen bei Black Jack

Die Geschichte des Glücksspiels, oder wie die Spieler gelernt haben Karten zu zählen – Teil 2

Thorp’s Ära.
Falls Sie es nicht wissen sollten, leben wir jetzt im 57. Jahr der Thorp-Ära. Diese Person hatte einen so großen Einfluss auf Black Jack und die gesamte Glücksspielbranche, dass ich ernsthaft der Meinung bin das es sich lohnt ihm noch zu Lebzeiten auf Kosten der Casinos ein Denkmal zu errichten.

Als junger Wissenschaftler las Edward O. Thorp regelmäßig mathematische Zeitschriften, und als Student war er gezwungen Geld zu verdienen. Er überlegte sich Wege wie er das am besten machen könnte, und so kam er auf die Idee in Casinos Black Jack zu spielen, auf der Grundlage von Berechnungen. Thorp beschloss die Ergebnisse der „Exzellenten Vier“, über die ich im vorigen Teil bereits als „Die vier Neandertaler geschrieben habe, zu überprüfen und zu sehen was sich daraus Entwickeln lässt. Das Ergebnis seiner Arbeit war das phänomenale Buch „Beat The Dealer“, dessen Verkauf sich mittlerweile Millionen von Exemplaren nähert.

Thorp entschied sich aber einen anderen Weg als die Excellenten Vier zu gehen. Er machte keine analytischen Berechnungen, aber mit dem damals mächtigen Computern von IBM (Die auch als Mainframe bezeichnet wurden), schrieb er mehrere Programme auf Fortran und schuf, für die 60er Jahre, ziemlich originelle Methoden. Übrigens war Thorp zusammen mit seinem Forschungslehrer Claude Elwood Shannon, einem großartigen Wissenschaftler, auch an der Lösung des Problems „Wie man beim Roulette immer gewinnt“ beteiligt.

Aus seinen Berechnungen ging hervor, dass „dead Cards“ einen erheblichen Einfluss auf die Chancen des Spielers hatten. Seine Hauptidee war es, die toten Karten auf eine vereinfachte Weise auswendig zu lernen, und hohe Einsätze zu machen wenn die Konstellation für den Spieler günstig ist. Übrigens, dieses System ist immer noch die Basis für alle Methoden und Zählsysteme bei Blackjack.

Das von Thorp eingeführte Zählsystem war für die Verwendung in realen Casinos ziemlich kompliziert und erforderte große Konzentration und eine große Menge an geistig arithmetischen Aktionen. Mit gutem Training war jedoch mit seiner Anwendung fast alles möglich.

Thorp’s Buch wurde ein großer Erfolg und Bestseller. Man hat verstanden das man mit ganz einfachen Dingen einen Vorteil erzielen kann. Jeder Leser träumte von enormen Gewinnen, doch auch die Casinos erkannten das Problem mit dem Kartenzählen.

Panik ergriff sie. Und im Jahr 1962, kurz nach der Erscheinung von Thorp’s Buch, änderten alle Las Vegas Casinos ihre Regeln, weil sie Angst vor dem Massenansturm von „Systemspielern“ hatten. Die Auslegung der Regeln hat sich so deutlich verschlechtert, dass kein Zählsystem helfen konnte um immer zu gewinnen. Obwohl sich der Effekt für das Casino als ziemlich gut herausstellte, wurde er jedoch zum Boomerang, denn die Leute hörten auf Blackjack zu spielen. Schon nach wenigen Monate mussten alle Casinos zu den früheren Regeln zurückkehren, um ihr eigenes Überleben zu sichern.

Ein weiterer interessanter Effekt der durch Thorp’s Buch hervorgerufen wurde war die unglaubliche Beliebtheit von Blackjack, der sogar die der beliebten amerikanischen Craps übertraf. Viele Leute sahen sich nach dem Lesen des Buches als potenzielle Gewinner und eilten zu den Blackjack-Tischen. Die meisten von ihnen hatten jedoch ein zu schlechtes Verständnis der mathematischen Prinzipien des Spiels, und wurden leider nicht zu Gewinnern, sondern umgekehrt. Daher hat das Casino nicht nur mehr Kunden, sondern noch besser, Kunden die Geld verloren.

Das System das in der ersten Ausgabe von Thorp Buch vorgestellt wurde, war selbst für Profis ziemlich schwierig, und nur wenige konnten es unter den Bedingungen eines echten Spiels anwenden. Es sollte deswegen vereinfacht werden.

Die Macht hinter dem Thron.
Julian Braun ist eine einzigartige Persönlichkeit. Er hatte Blackjack fast nie in richtigen Casinos gespielt, aber er spielte Millionen von Deals am Computer. Braun war ein guter Mathematiker und Programmierer, interessierte sich für Thorp und bot ihm Zusammenarbeit im Bereich der Berechnung und Programmierung an.

Braun war der Erfinder des Zählsystems Hi-Lo. Er stand hinter der Entwicklung aller modernen Systeme, deren Urheberschaft Revere, Humble, Wong und Uston gehört. Er hat das Buch „How to Play Winning Blackjack“ geschrieben.

Braun hat Thorps System auf FORTRAN aktualisiert und erhebliche Änderungen vorgenommen. Die zweite Ausgabe von Thorp’s Buch enthielt auch das Hi-Lo-System in seiner modernen Form. Es war eine ziemliche Revolution in der Glücksspielwelt. Braun arbeitete in der IBM Corporation und hatte Zugang zu den wahrscheinlich leistungsstärksten Computern dieser Zeit. Diese Tatsache hat dazu beigetragen, ein einfaches und effizientes Tool im Kampf mit den Casinos zu entwickeln.

Unter Verwendung von Brauns Berechnungen entwickelte der als Lawrence Revere bekannte Spieler sein eigenes Zählsystem und präsentierte seine Ergebnisse in Form von praktischen Tabellen, die von den meisten „Zählern“ der Welt verwendet werden. Lance Humble stützte seine HiOpt-Systeme auf die Erfahrungen von Braun.

Ungeachtet der Tatsache, dass Julian Braun höchstwahrscheinlich noch nie im Casino gewesen war, wurde er zu einer Macht hinter dem Thron des Blackjack, und alle mathematischen Modelle des Spiels beruhen auf seinen Berechnungen.

Sollten Sie den ersten Teil dieser Story verpasst haben, können Sie ihn hier lesen:
Die Geschichte des Glücksspiels, oder wie die Spieler gelernt haben Karten zu zählen – Teil 1

Wenn Sie mehr lesen möchten, geht´s hier zu Teil 3 und 4
Die Geschichte des Glücksspiels, oder wie die Spieler gelernt haben Karten zu zählen – Teil 3

Die Geschichte des Glücksspiels, oder wie die Spieler gelernt haben Karten zu zählen – Teil 4

Die Geschichte des Glücksspiels, oder wie die Spieler gelernt haben Karten zu zählen – Teil 5

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