Kartenzählen bei Black Jack

Die Geschichte des Glücksspiels, oder wie die Spieler gelernt haben Karten zu zählen – Teil 1

Der Traum vom sprengen der Bank eines Casinos ist so alt wie der Begriff „Casino“. Jeder Spieler möchte gewinnen. Jeder einzelne erfindet dazu sein eigenes „System“. Jeder hundertste versucht das Spiel sorgfältig zu analysieren. Aber nur wenige der vielen Millionen schaffen es am Ende.

Die berühmteste Errungenschaft im Bereich des „System“ Spiels gegen das Casino ist das sogenannte „Kartenzählen“ bei Blackjack -eine auf Mathematik basierende Methode, die es ermöglicht einen gewissen Vorteil gegenüber dem Casino zu erzielen. Die Casinos kennen die Existenz von „Zählern“ und versuchen ihnen in verschiedensten Weisen entgegenzutreten – von der Änderung der Regeln bis zum Verbot des Spiels. Manchmal sogar über die Grenzen der Vernunft und Rechtmäßigkeit hinaus. Tatsächlich ist die ganze Geschichte des Blackjack geprägt von einem Kampf zwischen den Spielern und dem Casino, vom Kampf wer der cleverere ist.

Mehr als ein halbes Jahrhundert ist vergangen, seitdem die ersten Versuche unternommen wurden die Casinos beim Blackjack zu schlagen, Versuche die nicht auf markierten Karten oder der Intuition beruhten. Seitdem wurden von beiden Seiten die abenteuerlichsten Methoden audprobiert, aber der Kampf geht weiter …

Das Mammut
Vermutlich war Jess Marcum (ursprünglich Marcovitch) die erste Person in der Geschichte, die eine mathematische Analyse auf das Blackjack Spiel anwendete. Er wurde am 30. Dezember 1919 in Knoxville, Tennesee geboren.

Es geschah während der Wende von 1949 zu 1950, als Jess, ein ausgezeichneter Mathematiker und Theoretischer Physiker, nach Las Vegas kam. Beim Besuch einiger Casinos, verriet ihm sein mathematisches Gespür das beim Black Jack möglicherweise nicht alles nur von der Intuition abhängt.

Marcum begann Blackjack zu analysieren. Erstens ist die Einzigartigkeit seines Versuchs, dass er im Prinzip alle Berechnungen mit seinem Stift auf dem Papier durchführte, ohne irgendwelche Technologien zu verwenden, wie schwach sie zu dieser Zeit auch sein mochten. Zweitens hatte er die Lösung gefunden!

Jess hat zehn Jahre, bevor dies jemand anderes getan hat, eine so genannte Basisstrategie und Zählsystem manuell entwickelt. Er rechnete damit, dass er theoretisch einen Vorteil gegenüber dem Casino von ca. 3% hatte – unter den damaligen Bedingungen war dies durchaus real. Darüber hinaus hatte Markum in allen ihm bekannten Casinos Blackjack gespielt – sowohl in den USA als auch im Ausland. Sein Name erschien auf den Seiten der Zeitungen als Beispiel für einen „Glückspilz“, der es geschafft hat den Jackpot zu knacken.

Jess Markum ging in die Geschichte ein, unteranderem als wahrscheinlich erster Mann der wegen Kartenzählens aus einem Casino geworfen wurde. Obwohl zu dieser Zeit die Casinos gar nicht wussten das ein solches System überhaupt existiert. Jess lebte ungefähr ein Jahr in Las Vegas. Die Casinobesitzer tauschten auf der jährlichen Hauptversammlung sogar die Informationen über ihn aus, denn sie sie hatten Angst um ihre Profite. Weil Markum danach nicht mehr in allen Vegas Casinos reingelassen wurde, ging er nach Reno. Es folgte das selbe Spiel, dieselbe Geschichte – ein halbes Jahr nach dem unglaublichen „Glück“, begannen sich auch die Casino-Besitzer in Reno nach dem unglaublichen Spieler zu erkundigen. Es folgten in kürze weitere Bundesstaaten und Städte. Schließlich noch Kuba und die Bahamas.

Niemand weiß wie viel Geld er in dieser Zeit gewonnen hat, aber eines ist sicher – Jess Markum hat den Krieg zwischen den Spielern und den Casinos im Blackjack begonnen, der immer noch andauert und immer angespannter wird. Er teilte seine Berechnungen mit niemandem, aber er gab das Spielen gegen die Casinos nach Veröffentlichungen von verschiedenen Blackjack Methoden durch andere Autoren vollständig auf.
Jess Markum starb 1992 im Alter von 72 Jahren.

Die vier Neandertaler
Die nächste Anstrengung die großen Einfluss auf die Blackjack Mathematik hatte, wurde 1956 von der Gruppe der vier Mathematiker Roger Baldwin, Wilbert E. Cantey, Herbert Maisel und James McDermott unternommen.

Diese Leute hatten noch nie im Casino gespielt, aber nachdem sie eine große Anzahl von Spielen gespielt und auch viel Geld ausgegeben hatten, erstellten sie eine grundlegende Strategie für das Spielen von Black Jack, nach den damals populärsten Regeln, und veröffentlichten sie zusammen mit den dazugehörigen Berechnungsmethoden im spezialisierten Mathematikjournal für Statistiker – „Journal of the American Statistical Association“ mit dem Titel „The Optimum Strategy In Black Jack“.

Sie haben zwar einige kleine Fehler in den Berechnungen gemacht, was aber angesichts ihres enormen Beitrags nichts wirklich Ernstes war. Ein Jahr später veröffentlichten sie ein Taschenbuch mit dem Titel „Playing Blackjack to Win“, welches heute eine absolute bibliografische Rarität ist.

Erstaunlicherweise erregten weder ihr Buch, noch der Artikel in der Fachzeitschrift viel Aufsehen, und blieben trotz ihrer innovativen Herangehensweise in der breiten Öffentlichkeit fast unbeachtet. Als aber einige Black Jack Spieler der Forschung der hervorragenden Vier Wissenschaftler größere Aufmerksamkeit schenkten, entpuppte sich das Werk jedoch fast als der „Heilige Gral“ für die gesamte Glücksspielbranche.

Im nächsten Teil erzähle ich Ihnen dann mehr über Edward O Thorp und Julian Braun:

Die Geschichte des Glücksspiels, oder wie die Spieler gelernt haben Karten zu zählen – Teil 2

Die Geschichte des Glücksspiels, oder wie die Spieler gelernt haben Karten zu zählen – Teil 3

Die Geschichte des Glücksspiels, oder wie die Spieler gelernt haben Karten zu zählen – Teil 4

Die Geschichte des Glücksspiels, oder wie die Spieler gelernt haben Karten zu zählen – Teil 5

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